5 Silvaner-Jungspunde

Im Weinforum ergab sich vor kurzem eine intensivere Diskussion um den von verschiedenen Seiten gehypten aktuellen Grünen Silvaner vom Weingut Keller (ist z.B. laut einem für seine Weinlyrik bekannten Weinhändler u.a. ein „Referenzsilvaner“), in der ich angemerkt habe, daß ich den 16er in ähnlich jung nicht besonders aufregend fand. In der Folge wurde dann im Forum von einigen Mitgliedern beschlossen bzw. angeregt und in die Tat umgesetzt, daß sie sich jeweils den Wein besorgen und dann ihre Verkostungsnotizen dort veröffentlichen. Einige Leute haben das bereits letzten Mittwoch gemacht, ich selbst habe mir aber in den Kopf gesetzt, das Ganze mit einigen Leuten im Vergleich mit ein paar anderen, gerade auf die Flasche gezogenen Silvanern, an diesem Samstag durchzuziehen:

1. Wein 2018er Silvaner – trocken – Gutswein, Rainer Sauer, Franken

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Die Farbe ist ein sehr helles Zitronengelb, für die Nase gibt’s nicht ganz reifen Pfirsich und ebensolche Mirabellen, ein paar Grapefruitzesten und leicht Löwenzahn. Am Gaumen ist der Extrakt etwas weiter, bleibt auf der gelblich-grünen Seite, ist zwar ganz leicht dropsig, was hier aber nicht unangenehm wirkt, da die Säure für recht fortgeschrittene Frische sorgt. Die geschmackliche Unterlage ist deutlich kalkig mit etwas Minze und einem Hauch Palmzuckeraromatik. Der Abgang ist von schöner Länge, dabei hellgelb fruchtig mit deutlicher Kalk-Kräuter-Beigabe.

Diesem Wein merkt man an, daß er -wie es mir auch telefonisch vom Weingut mitgeteilt wurde- gerne noch eine Zeit im Keller liegen möchte; dennoch bereits jetzt recht schön zu trinken, auch wenn noch nicht alles so ganz zusammenpaßt und die Frucht noch etwas unfertig wirkt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

2. Wein 2018er Grüner Silvaner – trocken – Qw, Seehof, Rheinhessen

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Die Farbe ist ein recht helles Goldgelb, in der Nase ein größerer Kräutergarten incl. etwas Minze, dahinter eher dezent, aber doch deutlich grün-gelbe Zitrusnoten, die dann allerdings mehr auf der dichteren Seite. Am Gaumen ebenfalls Kräuter und Salz, dazu fast schon opulent, aber auch animierend frisch Limette, Yuzu und etwas Ugli neben leichten, frischen Kernobstnoten, super balancierte Säure, sogar ein bißchen weißer Pfeffer. Der Abgang ist recht lang und für solch einen Basis-Jungspund erstaunlich extraktreich, bleibt dank der erfrischenden Kräuter-Säure-Melange aber klar auf der beschwingten Seite.

Wow! Der 18er (übrigens mit 6,00 Euronen / Flasche der günstigste im Feld) ist deutlich anders und auch quantensprungartig besser als der schon mal von mir probierte 15er! Diese jetzt schon recht gehaltvolle Zitrus-Kräutermischung sucht echt ihresgleichen!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

3. Wein 2018er Grüner Silvaner – trocken – [Gutswein], Keller, Rheinhessen

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Die Farbe ist ein mittleres Strohgelb, geruchsmäßig Kräuter incl. etwas Salbei sowie Zitrone und sehr grüner Apfel, ganz entfernt auch ein bißchen Malz. Geschmacklich wieder Kräuter, leicht salzig und Zitronensaft mit grünem Apfelschnitz incl. der begleitenden, deutlichen Säure. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, betont vor allem die Zitronenseite, bringt wieder ein paar frische Kräuter wie Estragon mit und läßt im Finale ein klein bißchen Malz aufblitzen.

Soweit ein erfrischender Zitronensaftling, gefällt mir auch etwas besser als der oben verlinkte 16er, aber mehr als ein unkomplizierter Spaßwein ist das für mich -zumindest in diesem Stadium- nicht. Paßt aber gut zu Fettfischen als Kontrapunkt.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

4. Wein 2018er Silvaner – Würzburger – trocken – Ortswein, Juliusspital, Franken

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Die Farbe ist ein helleres, aber leuchtendes Goldgelb, ein paar kleine Bläschen am Glas, für’s Näschen gibt’s noch nicht ganz reife Nektarine und etwas Netzmelone, dazu deutlich Calciumhydroxid. Geschmacklich ist die Frucht schon ganz gut entwickelt, zwar noch etwas hellgelb, wirkt aber keineswegs „grün“, dennoch (noch?) ganz leicht Ahoi-Brause-mäßig. Dem bereits recht gut entwickelten Extrakt steht auch eine ganz ordentlich dimensionierte Säure nebst Zitronenschale gegenüber, steinseitig zeigt sich hier eher Speckstein, weiters ganz leicht weißer Pfeffer. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, dabei frisch-hellgelb fruchtig mit schöner Kalkunterlage.

Schon recht weit entwickelt und durchaus mit Spaß zu trinken, auch wenn er im Ansatz noch etwas dropsig bzw. kaltvergoren wirkt; wird möglicherweise noch schöner, wenn die Frucht etwas gelber geworden ist. Gefällt mir in diesem Stadium deutlich besser als der 17er und vielleicht einen Tick besser als der 16er, aber zum Nachkauf reicht’s aktuell nicht.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

5. Wein 2018er Silvaner – [Springinsfeld] – DamaszenerStahl – trocken – Qw, Stahl, Taubertal

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Hier haben wir ein ziemlich sattes Goldgelb im Glas, das Bukett ist weit entfernt von jeglicher Jugendlichkeit bereits sehr gelb und bietet mürbe alte Apfelsorten, reifere Mirabellen und gelbe, frische Apfelquitten, ganz leicht auch etwas Räucherofen. Geschmacklich dicht und herb gelbfruchtig, leicht gerbstoffig, sogar ganz leicht adstringierend, deutlich Anis und ein Hauch Lakritz; die Säure hält gut dagegen und sorgt für niederviskosen Trinkgenuß. Der Nachhall hallt sehr lang, auch hier eine komplexe gelbe, sogar im Ansatz reduktive Fruchtaromatik auf seifig-kräuteriger Steinunterlage mit ganz leichter Torfbeimengung.

Dieser Silvaner wirkt von allen Probanden am meisten „fertig“, aus meiner Sicht schier unglaublich, wo der „Springinsfeld“ jetzt schon angekommen ist; ich weiß gar nicht so genau, wo der noch hin will. Diesen Wein habe ich als 14er schon mal probiert, der war damals allerdings schon etwas älter, hat in dem Stadium damals bei mir aber die gleiche Wertung wie gestern der aktuelle Jahrgang in jung erreicht:

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nun, das mit dem „Referenzsilvaner“ kann ich hinsichtlich des Keller’schen Weins nicht bestätigen (da denke ich grundsätzlich an ganz andere Sachen), auch nicht im eingeschränkten Bereich der Basisweine < 10 Euronen pro Flasche. Immerhin habe ich den Wein aufgrund meiner Erfahrung mit dem 16er und den bereits veröffentlichten VKN’s zum 18er im Weinforum problemlos erkannt und kann die Forumseindrücke auch weitgehend bestätigen, auch wenn’s im Detail -natürlich- ein paar Abweichungen in der persönlichen Wahrnehmung gibt.Damit ergibt sich folgendes Ranking:

1. Platz: 2018er Silvaner – [Springinsfeld] – DamaszenerStahl – trocken – Qw, Stahl
2. Platz: 2018er Grüner Silvaner – trocken – Qw, Seehof
3. Platz: 2018er Silvaner – trocken – Gutswein, Rainer Sauer
4. Platz: 2018er Grüner Silvaner – trocken – Qw, Keller
5. Platz: 2018er Silvaner – Würzburger – trocken – Ortswein, Juliusspital

Erstaunlich für mich, daß der Keller-Silvaner von seinem Nachbarn (und -soweit ich weiß- irgendwie sogar verwandtem) Seehof mehr als deutlich abgehängt wurde. Recht knapp vor letzterem lag für mich der Silvaner vom Winzerhof Stahl, der aber stilistisch total anders aufgestellt ist. Beide Weine sind schon aus heutiger Sicht eine klare Bereicherung für den Weinkeller, beim Guts-Silvaner von Rainer Sauer muß man wohl noch ein bißchen warten, um sich ein abschließendes Urteil zu bilden, Keller und Juliusspital sind -zumindest in der aktuellen Verfassung- nicht dazu geeignet, mich zum Nachkauf zu bewegen. Allerdings habe ich aktuell von jedem Wein noch eine weitere Flasche, ich habe mir vorgenommen, diese Silvaner vsl. in einem (vielleicht auch erst in zwei) Jahren nochmals miteinander zu vergleichen. Wer weiß, vielleicht verschiebt sich ja dann das Ranking signifikant…

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